14.03.2016

Mit 330 Teilnehmern war der diesjährige Thüringer Milchtag – übrigens der zwanzigste in Folge, der von der Landesvereinigung der Thüringer Milch und dem Thüringer Landwirtschaftsministerium organisiert wurde – wie schon in den Vorjahren, außerordentlich gut besucht.

Ein Beleg für großes Interesse an der Problematik, an den Themen, aber sicher in erster Linie ein Beleg für Erwartungen von Antworten zur Überwindung der aktuellen Milchmarkt- und Milchpreiskrise. Die aktuelle Situation ist vergleichbar mit der Lage im Jahre 2009 und auch mit den damaligen Diskussionen anlässlich des 13. Thüringer Milchtages. Allerdings hat es damals mächtig rumort im Berufsstand. Lieferstreiks und Molkereiblockaden waren angesagt und der Verband war von heftigen bis bösartigen Debatten unter der Bauernschaft betroffen. Momentan ist davon im Berufsstand nur wenig zu spüren – ist das „die Ruhe vor dem Sturm“? Vielleicht ist es aber auch ganz einfach der Tatsache geschuldet, dass eines der kleineren Bundesländer, wie Thüringen, das nur ca. 2,6 Prozent der Milchkühe hält und nur ca. 3,1 Prozent vom gesamten Milchaufkommen Deutschlands bringt, bundesweit nur wenig Gehör findet. Ja, die Bundesländer mit der großen Milchproduktion müssen vor allem die Akzente setzen und Signale geben. Doch bei denen scheint der Leidensdruck noch nicht groß genug zu sein. Solch eine engagierte, auch leidenschaftliche Diskussion hatten wir uns schon gewünscht.

Hilfe müsse vor allen Dingen von Brüssel, wie auch vom Bund, kommen, forderte Landwirtschaftsministerin Birgit Keller und kritisierte deutlich, dass beim Liquiditätsprogramm Ende des vergangenen Jahres ostdeutsche Betriebe eindeutig benachteiligt wurden. Die darin festgelegten Obergrenzen, bezogen auf den Betrieb, seien nicht hinnehmbar. Bundesweit müsse pro GV gefördert werden, und das einheitlich, ob klein oder groß.

Der Präsident des Thüringer Bauernverbandes e. V. (TBV) Helmut Gumpert mahnte in seinem Beitrag leidenschaftlich, alle in der Kette sind gefordert, ihren Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten. „Wir selbst als Milchbauern müssen die Produktion drosseln und das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage im Auge haben“, so Gumpert. Die Molkereien dürfen sich bei den Kontraktverhandlungen nicht gegenseitig ausstechen. Sie sollten sich vielmehr verständigen und Verkaufskontore bilden, um mit mehr Kraft dem Handel zu begegnen. Der Handel, allen voran die Discounter wie Aldi und Lidl, sind keine fairen Partner der Landwirtschaft. Zwischenzeitlich haben sie wieder einmal ihre „kapitalistische Fratze“ gezeigt, als sie zum 01.03.2016 den Butterpreis um 54 Cent pro Kilogramm gesenkt haben. Das sind, sage und schreibe 18,6 Prozent! Und die viel zitierten und oft auch vorgeschobenen Verbraucher – die freuen sich und kaufen munter die Billigangebote. Einen deutlich kritischen Appell richtete Gumpert an die Politik in Berlin, aber insbesondere an die in Brüssel. Sie stehe jetzt in der Pflicht, mit Sofortmaßnahmen und einem milliardenschweren Programm zu helfen, damit die Milchbranche insgesamt nicht an die Wand fährt. Brüssel muss jetzt in erster Linie handeln und ein solches Programm EU-einheitlich auf den Weg bringen. Die Forderung des Bauernverbandes, dass der Milchpreis kurzfristig wieder auf mindestens 35 Cent gebracht werden müsse, wurde von einigen Teilnehmern kritisch gewertet. Sie meinen, diese Forderung ist nicht ausreichend. Es werden 40…42…43 Cent benötigt, um kostendeckend in ihren Betrieben zu produzieren. Bei Interesse an den Beiträgen der fünf Gastreferenten können diese von der Landesvereinigung Thüringer Milch e. V. zur Verfügung gestellt werden.

 

Walter Pfeifer